| Würzburg 2010 |
| Freitag, den 26. März 2010 um 17:48 Uhr |
|
u.a. nach Mainpost, Mittwoch 17. März 2010
Emotionaler Moment: Jost Hasselhorn (Dresden), Canon David Porter (Coventry, gebückt) und Roland Ganninger (Pforzheim, r.) legen für die jeweiligen Nagelkreuzzentren einen Kranz am Ehrenmal nieder. Im Hintergrund (r. mit Amtskette) Oberbürgermeister Georg Rosenthal. Gräber dürfen keine Gräben werden Kranzniederlegung für die Opfer des 16. März 1945 5000 Männer, Frauen und Kinder kamen am 16. März 1945 in Würzburg ums Leben, als am Abend englische Bomberflugzeuge die Stadt angriffen und in Schutt und Asche legten. Zum Gedenken an diese unschuldigen zivilen Opfer legte Oberbürgermeister Georg Rosenthal am Mahnmal am Hauptfriedhof, wo viele von ihnen in einem Massengrab beigesetzt wurden, am Dienstagvormittag, dem 65. Gedenktag des verheerenden Luftangriffs, einen Kranz nieder. Mit einem Kranzgesteck goldgelber Osterglocken folgten Canon David Porter für Coventry, der von deutschen Bomerverbänden im November 1940 zerstörten mittelenglischen Stadt, Jost Hasselhorn für Dresden und Roland Ganninger für Pforzheim seinem Beispiel.
Weit gereiste Gäste: Bei der Gedenkfeier begrüßten Oberbürgermeister Georg Rosenthal und Bürgermeisterin Marion Schäfer auch Canon David Porter (im Bild zwischen Rosenthal und Schäfer), den Direktor des Nagelkreuz-Versöhnungszentrums im englischen Coventry, Jost Hasselhorn (Dresden, nicht im Bild) und Roland Ganninger (r., von der Nagelkreuz-Schwesterstadt Pforzheim). In seiner Ansprache vor etwa 200 Bürgerinnen und Bürgern, unter ihnen auch viele Stadtratsmitglieder, sparte der Oberbürgermeister nicht mit deutlichen, mahnenden Worten. Die Toten des 16. März seien von Explosionen zerfetzt und von Trümmern erschlagen worden, seien im Feuersturm erstickt und verbrannt, wählte Rosenthal ein drastisches Bild, um die ganze Dramatik bewusst zu machen. Aber nicht nur in Würzburg habe es unschuldige Opfer gegeben. In dem von Deutschland initiierten Krieg seien unzählige jüdische Mitbürger, Roma, Sinti, Behinderte, Homosexuelle und politisch Andersdenkende zu Opfern geworden. "Die Nationalsozialisten haben diesen Menschen die Würde genommen", so der OB, durch das Gedenken "wollen wir sie ihnen zurück geben". Deshalb habe man für den 16. März 2010 das Motto "Versöhnung über den Gräbern" gewählt, denn "wir wollen verhindern, dass aus Gräbern Gräben werden". In Anwesenheit von Canon David Porter, dem Direktor des Versöhungszentrums an der Kathedrale von Coventry und der Vertreter der im Februar 1945 zerstörten Städte Dresden und Pforzheim, forderte Rosenthal "Nein zur Revanche, Ja zur Versöhung!" Das Gedenken an die Toten des Krieges ermahne dazu, dass es keinen Hass zwischen den Nationen mehr geben dürfe und der Friede gewahrt werden müsse, sagte der OB. Das bedürfe aber des aktiven Einsatzes vieler. Dazu seien insbesondere die Nagelkreuzstädte aufgerufen. Erstmals sei Deutschland in Europa nur von Freunden umgeben, lenkte Rosenthal den Blick in die Gegenwart. Wenn in Europa Frieden herrsche, dürfe man dennoch nicht die vielen Menschen vergessen, die in anderen Ländern und Kontinenten unter Kriegen und Terror leiden. Die Bekämpfung von Terror sei auch ein Kampf gegen Benachteiligung. Deshalb forderte Rosenthal dazu auf, sich aktiv einzuschalten, wenn Angehörige von Minderheiten ausgegrenzt oder gar angegriffen werden. Denn "Friede beginnt im Alltag und da kann jeder seinen Beitrag leisten". Am Nachmittag lud die Stadt Würzburg ihre Gäste in den historischen Wenzelsaal zum offiziellen Empfang. In fließendem Englisch hieß OB Rosenthal den englischen Gast in der Mainmetropole willkommen und betonte die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen den ehemals verfeindeten Ländern. Roland Ganninger vom Nagelkreuzzentrum Pforzheim überreichte dem Würzburger Stadtoberhaupt mit den besten Grüßen des Amtskollegen von Pforzheim, OB Gert Hager, die Große Versöhnungskerze der Stadtkirche. Sie sei, so Ganninger, in unzähligen Arbeitsgängen nach den Regeln der königlichen Kerzenmacherzunft von Winchester in Handarbeit hergestellt. Viele gute Gedanken und Wünsche nach Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung seien mit hinein geschmolzen. Der Vertreter des Nagelkreuzzentrums Pforzheim erinnerte daran, dass die Große Versöhnungskerze bereits in vielen Städten Deutschlands und Europas für Versöhnung werbe, unter anderem in der Kathedrale von Coventry, wo sie anlässlich des Versöhnungsbesuchs der Jugendkantorei Pforzheim im Mai 2008 überreicht worden war.
Als Vertreter des Nagelkreuzzentrums Pforzheim überrreichte Roland Ganninger dem Oberbürgermeister der Nagelkreuz-Schwesterstadt Würzburg, Georg Rosenthal, die Große Versöhnungskerze der Stadtkirche Pforzheim. |



