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Pforzheimer Versöhnungsnacht 2012

Pforzheimer Versöhnungsnacht am 17. November
In Zusammenarbeit mit der Frauenkirche Dresden
 

Das Zusammentreffen mehrerer Einzelfaktoren hat das besondere Ereignis der „Pforzheimer Versöhnungsnacht” verursacht      und befördert:
• Der Jahrestag der Zerstörung von Coventry durch deutsche Bombergeschwader am 14./15. November 1940
• Das 20-jährige Nagelkreuzjubiläum von Huchenfeld am 18. November
• Die offizielle Einweihung der Großplastik „World War II” von Peter Jacobi zwischen Stadtkirche und Wehr als   Auftakt des „Enzskulpturenwegs”
• Die enge Zusammenarbeit zwischen Nagelkreuzzentrum Pforzheim und der Frauenkirche Dresden

Engagement für Frieden und Versöhnung zeigen Künstler Peter Jacobi, Isabel Greschat (Kulturamt), Roland Ganninger (Nagelkreuzzentrum), Martina Walter (Pfarrerin der Altstadtgemeinde) und Petra Alexy (Nagelkreuz Huchenfeld)

Die „Pforzheimer Versöhnungsnacht” geht über den Kirchturm der Stadtkirche hinaus. Am Samstag, 17. November setzen sich    von 21.00 Uhr bis Mitternacht in viertelstündigem Wechsel Menschenaus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Schulen, Kirchen, benachbarten Religionen in vielfältiger Weise im Wechsel von kurzen Texten, Musik, Stille und Bild  mit dem Thema „Versöhnung“ auseinander. Besucher können sich einbeziehen lassen oder miteinander ins Gespräch kommen.
Wer irgendwann für eine halbe Stunde oder Stunde als Besucher dabei ist, bekommt schon eine ganze Menge mit, kann sich anrühren lassen von Vergangenheit und Gegenwart, wer die drei Stunden durchhalten will, hat übergenug zum Nachdenken      und Mitfühlen.
Die „Pforzheimer Versöhnungsnacht”, organisiert vom Nagelkreuzzentrum Pforzheim, wendet sich an alle Menschen jeglichen Alters, jeglicher Herkunft, jeglicher Nationalität, will nicht missionieren oder überreden, sondern zum Mitdenken und Annehmen anregen, wie Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung sein kann.

Samstag, 17. November 2012, 21 bis 24 Uhr
Evangelische Stadtkirche Pforzheim

21.00 Uhr Aus Bösem Gutes machen
Christiane Quincke, evang. Dekanin
Klangspiele für Orgel

21.15 Uhr World War II Memorial
Peter Jacobi, Künstler
Klaviermusik – Impromptu & Invention

21.30 Uhr Stille
Kerzenstation – Anliegenwand

21.45 Uhr Paul Celan – Todesfuge
Murat Yeginer, Schauspieldirektor
Cajon – Rhythmusimprovisationen

22.00 Uhr Else Lasker-Schüler – Versöhnung
Andrew Hilkowitz, jüdische Gemeinde
Oboe und Orgel

22.15 Uhr Friedensgebet
Clara Gölz, Schülerin
Barock virtuos I: Flauto dolce

22.30 Uhr Picasso – Krieg und Frieden
Bildfolge – Stille

22.45 Uhr Hans-Dieter Hüsch
Magnus Schlecht Chefredakteur
Altenglische Tastenmusik auf dem Regal

23.00 Uhr Versöhnungsgebet
Bernhard Ihle, kath. Dekan
Barock virtuos II: Flauto dolce

23.15 Uhr Nagelkreuzgebet
Felicitas Weileder, Coventry
Barock virtuos III: Variationen für Cembalo

23.30 Uhr Die Engel hielten den Atem an
Bildfolge – Stille

23.45 Uhr Den Frieden riskieren – Segen
Dr. Hendrik Stössel, Bretten
Klangspiele für Orgel

Änderungen in Besetzung und Reihenfolge vorbehalten.

In der Werktagskirche und im Kirchen-Café Nagelkreuzausstellung
und Büchertisch, Gelegenheit zur Entspannung,
zu Nachgesprächen, zur Information.

Weitere Veranstaltungen im November 2012

Sonntag, 11. November, 9.45 Uhr
Evang. Altstadtkirche Pforzheimmit
Gottesdienst mit Pfarrerin Martina Walter
Matinée und Ausstellungseröffnung
„Verlassene Wehrkirchen in Siebenbürgen –
vergängliche Schönheit“
von und mit Peter Jacobi

Samstag, 17. November, 20.30 Uhr
zwischen Stadtkirche und Enzwehr
Übergabe der Plastik
„World War II Memorial“ von Peter Jacobi

als Auftakt des Enzskulpturenwegs

Sonntag, 18. November, 10 Uhr
Evang. Kirche Huchenfeld
Gottesdienst zum 20-jährigen
Nagelkreuzjubiläum

mit Dekanin Christiane Quincke
und Jost Hasselhorn, Dresden

Samstag/Sonntag, 24./25. November, 20/16 Uhr
Evang. Stadtkirche Pforzheim
Wolfgang Amadeus Mozart: „Requiem“
Arthur Honegger: „König David“

Oratorienchor und Motettenchor Pforzheim,
Württembergische Philharmonie Reutlingen
Leitung: Kord Michaelis

Freitag, 30. November, 12 Uhr
Taufkapelle der Evang. Stadtkirche Pforzheim
Nagelkreuz-Versöhnungsandacht
zum Thema „Die Engel hielten den Atem an“

 

AUS BÖSEM GUTES MACHEN

Versöhnungsnacht zum Jahrestag der Zerstörung Coventrys

In der Stille der Opfer gedenken: Die Besuche rder Versöhnungsnacht zünden Kerzen mit der Aufschrift "Vater vergib" an.

Viele Mitwirkende haben eine Nacht des Gedenkens und des Versöhnens in der Stadtkirche gestaltet

Sabine Simon, Pforzheimer Zeitung.

Es war eine Nacht des Vergebens und auch des Mutmachens, einzutreten für Frieden und Vresöhnung, gegen Krieg zwischen Völkern, Generationen und politischen Systemen, damit Hass und Gewalt überwunden werden. Am Samstagabend waren viele Besucher aus Stadt und Umland in die Stadtkirche gekommen - zur ersten Versöhnungsnacht, die das ökumenische Nagelkreuzzentrum in Zusammenarbeit mit der Frauenkirche Dresden organisiert hatte. Gleich mehrere Anlässe gab es für dieses besondere Angebot, das laut Roland Ganninger, Ältestenkreisvorsitzender der Stadtkirche und Sprecher des Nagelkreuzzentrums, für die Nagelkreuzarbeit in ganz Deutschland von hoher Bedeutung ist.

Zuvor war vor der Stadtkirche die "World War II Memorial" - Plastik von Peter Jacobi offiziell übergeben worden.

Dr. Isabel Greschat bezeichnete die Skulptur als wichtiges Mahnmal Pforzheims für alle Toten des Zweiten Weltkriegs und als bemerkenswerten Anfang des geplanten Enz-Skulpturnewegs.

Außerdem jährte sich am 15. und 16. November die Zerstörung von Coventry durch deutsche Bomber-Geschwader von 1940.

"

"Es ist ein wichtiger

Abend. Ich freue mich,

dass so viele Menschen

gekommen sind."

Roland Ganninger

 

 

Und auch die Negelkreuzgemeinschaft Huchenfeld feierte ihr 20-jähriges Nagelkreuzjubiläum.

Die Erinnerung an frühere und aktuelle kriegerische Gräueltaten dürfe nicht verblassen. Zugleich gelte es aber zu bewirken, dass sich Völker und Generationen versöhnen, so Ganninger.

Sehnsucht nach Versöhnung

Die evangelische Dekanin Christiane Quincke begrüßte die Besucher mit der "Textklammer", die alle 12 Themensequenzen einleitete: "Immer wieder wächst in uns eine Sehnsucht, eine Sehnsucht nach Vergebung. Wir wissen um die Wunden unserer Geschichte. Bis heute spüren wir Streitigkeiten und Hass zwischen Staaten, Völkern, sozialen Gruppen, zwischen politischen Systemen, verschiedenen Überzeugungen, Religionen oder Generationen." Deshalb müsse man aus Bösem Gutes machen - auch mit Gottes Hilfe. Anschließend erzählte sie die Geschichte von Tom Tate, dem englischen Piloten, der 1945 in Huchenfeld gefangen genommen wurde - und später die Hand zur Versöhung reichte, obwohl seine Fliegerkameraden wurden in Huchenfeld umgebracht worden waren.

"

"Aus ehemaligen Fein-

den wurden Freunde.

Er hat die Hand zur

Versöhnung gereicht."

Dekanin Christiane Quincke

 

Viele Persönlichkeiten aus Politik, Kunst, Kultur, Musik, Kirchen und Schulen gestalteten die Versöhnungsnacht. Im Viertelstundentakt wechselte das Programm in der Stadtkirche - von Stille und Meditation über Lesungen bis hin zu musikalischen Beiträgen unter der Leitung von Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis und Kantor Timo Rinke. Unter anderem trug Schauspieldirektor Murat Yeginer vom Stadttheater Pforzheim die "Todesfuge" des jüdischen Dichters Paul Celan vor, Schülerin Clara Gölz sprach ein Friedensgebet, PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht rezitierte aus "Ich setze auf die Liebe" des Schriftstellers und Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch, der katholische Dekan Bernhard Ihle sprach ein Versöhnungsgebet. Andrew Hilkowitz von der jüdischen Gemeinde hatte sich für seinen Beitrag das Gedicht "Versöhnung" von Elke Lasker-Schüler ausgesucht.

An einer Station konnten Kerzen entzündet und Fürbitten formuliert werden, auf einer Videoleinwand wurden Ausschnitte aus Pablo Picassos "Krieg und Frieden" oder eine Bildfolge "Die Engel hielten den Atem an " gezeigt.

 

Verkaufstisch, Büchertisch und Ausstellung luden zum Verweilen im Kirchen-Café ein.

In der Werktagskirche nebenan gab es eine Nagelkreuzausstellung, Bücher-und Verkaufstisch sowie Gelegenheit zu Gesprächen. Am Ende nahmen die Besucher den Gedanken der "Textklammer" mit hinaus, der sich wie ein roter Faden durch die Nacht zog: "Mögen wir von heute an fantasievoller, deutlicher und mutiger im Namen des Nagelkreuzes dafür eintreten, Wunden heilen zu helfen und eine Kultur des Friedens zu bauen".

 

 
23. Februar 2013

Farbenfrohe Friedensbotschaft

Riesiges Puzzle setzt ein eindrucksvolles Zeichen

Für eine friedliche, tolerante, vielfältige und bunte Stadt Pforzheim warb Oberbürgermeister Gert Hager angesichts des gerade entstehenden Riesenpuzzles zur Eröffnung. Insgesamt über 400 Puzzleteile umfasst nun das im Jahr 2011 begonnene eindrucksvolle Gesamtkunstwerk, das eine Woche lang auf dem Marktplatz zu bestaunen war.

Trotz klirrender Kälte verfolgten viele Bürger das Auslegen der Puzzlteile durch Erwachsene und Jugendliche, die es sich nicht nehmen ließen, ihre Arbeiten selbst anzufügen. Auch die Konfirmanden der Evang. Stadtkirche beteiligten sich zum dritten Mal mit sechzehn Puzzletafeln, auf denen sie die Aussagen der Versöhungslitanei von Coventry optisch umzusetzen versuchten.

Eine szenische Lesung von Kepler-Gymnasiasten beinhaltete Augenzeugenberichte jenes Abends des 23. Februar 1945, als die Alliierten die Stadt zerstörten, beleuchteten aber auch das Schicksal der Juden in Pforzheim. Heute lebten hier Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. "In meiner Klasse gibt es sieben verschiedene Nationen. Das ist doch ganz normal und gut so."

Das "Pforzheimer Puzzleprojekt", das im Mai auch auf der Openair Bühne am Fischmarkt im Rahmen des Hamburger Kirchentags vorgestellt werden wird, soll laut Hager verstärkt die jüngere Generation in den Gedenktag einbinden. Nur durch Begreifen der Geschichte könne Gegenwart und Zukunft gestaltet werden, und wenn sich die nachwachsende Generation auf diese Weise mit der Vergangenheit auseinandersetze und miteinander darüber ins Gespräch komme, sei der Weg in eine Zukunft der Versöhnung, der Freiheit und des Friedens nicht weiter verstellt.

 

Weitergabe des Wandernagelkreuzes am Ginkgobaum

Zum dritten Mal wurde am Ginkgobaum, unweit des Großkreuzes für die Opfer des 23. Februar 1945, auf dem Hauptfriedhof das Pforzheimer Wandernagelkreuz an eine neue Gastfamilie weitergegeben. Der Ginkgobaum gilt als "lebendes Fossil", er ist eine der ältesten Baumarten der Welt und gilt als kraftspendend und lebensverlängernd, ein gutes Symbol für eine Gemeinschaft wie die des Nagelkreuzes, die sich der Arbeit für Versöhnung, Frieden und Bewahrung der Schöpfung verschrieben hat. Dieser Ginkgobaum ist eine Stiftung des englischen Kriegspiloten John Wynne als Zeichen der Hoffnung und Versöhnung.

Das Wandernagelkreuz, der mobile Zwilling des Nagelkreuzes in der Stadtkirche, wurde am 6. Februar von der Johannesgemeinde, die es ein Jahr lang beherbergt und auf viele Wirkungswege geschickt hatte,  an den Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim übergeben als im Foyer des Rathauses sichtbares Zeichen, dass die Stadtverwaltung hinter den Bemühungen des Nagelkreuzzentrums um Frieden, Freiheit und Versöhnung in Stadt um Umland steht.

Ergänzt wurde das Nagelkreuz dort, platziert in einer Vitrine im Foyer, durch über dreißig Ausstellungstafeln zur Geschichte des Nagelkreuzes im Allgemeinen und seiner Bedeutung für Pforzheim im Besonderen, die entlang des langen Flures an die Fenster mit Gesicht zum Marktplatz und dem Riesenpuzzle montiert waren.

Der irische Literat und Theologe C. S. Lewis hat nach dem deutschen Angriff auf Coventry 1940 geschrieben: "Die Engel hielten den Atem an, um zu sehen, welchen Weg wir einschlagen würden". Dieser Weg des "Father Forgive" begann mit der Weitergabe des Wandernagelkreuzes an die ökumenische Region Pforzheim Nord mit den evangelischen Gemeinden Thomas, Markus, Eutingen und der katholischen St. Stephansgemeinde für ein weiteres Gastjahr.

Pfarrein Ruth Nakatenus übernimmt das Wandernagelkreuz stellvertretend für die ökumenische Region Pforzheim Nord aus den Händen von Roland Ganninger, Vertreter des Nagelkreuzzentrums Pforzheim.

Clara Gölz, vor zwei Jahren konfirmiert und seitdem im Nagelkreuzzentrum engagiert, verlas statt einer  Predigt den Gebetstext, den sie schon im Rahmen der Pforzheimer Versöhnungsnacht im November des vorigen Jahres rezitiert hatte:

„Immer wieder wächst in uns eine Sehnsucht, eine Sehnsucht nach Frieden, nach Versöhnung.

Wir wissen um die Wunden unserer Geschichte. Vor 68 Jahren wurde Pforzheim durch Bomben gesprengt, durch Feuer verbrannt, und so die Innenstadt zerstört.

Pforzheim erlebte nun selbst, was in den Jahren zuvor durch deutsche Bomben in Warschau und Rotterdam, in Coventry und an vielen anderen Orten angerichtet worden war. Pforzheim erlebte selbst, was heute noch zu erleben ist in Syrien oder in Palästina, in Mali oder anderswo.

Bis heute spüren wir Streitigkeiten und Hass:

zwischen Staaten, Völkern und sozialen Gruppen,

zwischen Religionen und politischen Überzeugungen,

zwischen Generationen.

Wir haben eine Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung.

Als Mahnung, heute dafür einzutreten, dass Krieg, Rassismus und Gewalt überwunden werden, geben wir heute das Wandernagelkreuz weiter.

Als Ermutigung, sich der Sehnsucht nach Versöhnung anzuschließen, beten wir:

 

Gib uns Frieden, der da BRICHT UNSER SCHWEIGEN      

 

inmitten von Gewalt, auf dass prophetische Stimmen erklingen.

Gib uns Frieden, der UNS HERUNTER HOLT

vom hohen Ross unseres Stolzes,

auf dass wir lernen, einander die Füße zu waschen.

Gib uns Frieden, der UNS BEFREIT

von Hass und Intoleranz, auf dass wir Gewehre gegen Gitarren tauschen und singen.

Gib uns Frieden, der da VERSCHLIESST

unsere Münder, wenn wir zu viel sprechen,

auf dass wir lernen, darauf zu hören und zu verstehen,

was die anderen sagen.

Gib uns Frieden, der UNS STÖRT

in unserer Apathie, auf dass wir gemeinsam im Sonnenschein tanzen.

Gib uns Frieden, der da ENTZÜNDET

unsere matten Herzen, auf dass wir Liebe und Gerechtigkeit leuchten

lassen. Amen.

Am Abend war das Wandernagelkreuz bereits zu Gast bei einer Jugendhandball-Veranstaltung in der Benckiser-Halle in Pforzheim, um Auswärtigen die Bedeutung des 23. Februar zu verdeutlichen. In der katholischen St. Josephsgemeinde in Eutingen wurde angesichts des originalen Nagelkreuzes der Stadtkirche in der Vorabendmesse die Geschichte und internationale ökumenische Bedeutung des Nagelkreuzes von Coventry aufgeblättert.

 

 
Pforzheimer Puzzleprojekt

Pforzheimer Puzzleprojekt beim Hamburger Evang. Kirchentag

 

Puzzle sorgt bundesweit für Aufsehen

  • Projekt zum 23. Februar setzt beim Kirchentag in Hamburg Zeichen.
  • Vertreter des Nagelkreuzzentrums stellen Aktion vor Ort vor.

Claudius Erb/Pforzheim

Wenn Pforzheim in diesen Tagen bundesweit Schlagzeilen macht, hat das nicht immer gute Gründe. Während die Goldstadt etwa in Sachen Derivate, Jugendarbeitslosigkeit und Kriminalität jüngst als schlechtes Beispiel diente, übernimmt sie nun beim Deutschen Evanbgelischen Kirchentag eine Vorbildfunktion. Das Pforzheimer Puzzleprojekt zum 23. Februar setzt in Hamburg ein durchweg positives Zeichen. Es wird am Donnerstag, 2. Mai, auf der Open-Air-Bühne beim Fischmarkt präsentiert, wo zukunftsweisende Arbeit mit Jugendlichen auf dem Programm steht.

Immer mehr machen mit

Eben dieser Blick nach vorn hat die Macher des Projekts umgetrieben. Ihnen sei es ein Anliegen gewesen, den Gedenktag an die Bombardierung Pforzheims am 23. Februar 1945 durch die Alliierten von einer ausschließlich schmerzlichen Rückschau zu einem zukunftsorientierten Gedenken zu wandeln, erläutert Roland Ganninger. Als Vertreter des Pforzheimer Nagelkreuzzentrums wird er auf der Hamburger Bühne zu den Besuchern des Kirchentags sprechen.

Viele tüftelten im kommunalen "Arbeitskreis 23. Februar" mit, um die Idee des hiesigen Künstlers René Dantes umzusetzen. Im Jahr 2011 waren es rund 150 kunstvoll gestaltete Teile gewesen, die sich vor dem Rathaus zu einem Puzzle zusammenfügten. 2012 hatte sich die Zahl bereits auf rund 300 Teile verdoppelt. Und in diesem Jahr war das Mosaik riesig und besonders beeindruckend. Neben Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums, der Fritz-Erler-Schule und des Kepler-Gymnasiums hatten sich ganze Klassen weiterer Schulen sowie Jugendgruppen - angeleitet von Pforzheimer Künstlern - kreativ mit den Themen Frieden und Versöhnung auseinandergesetzt.

"

"Das Entscheidende ist nicht, ob bei der Puzzle-Aktion Kunst herauskommt.  

Wichtig sind die Vorarbeit und die Auseinandersetzung  mit dem 23. Februar.

Die Teilnehmer sollen nicht nur erinnern, sondern auch begreifen."

Roland Ganninger, Leiter des Nagelkreuzzentrums Pforzheim

Die Aktion sorgt für Aufsehen. Ein Pfarrer aus Kiel fragte an, ob er Blank-Puzzleteile zur Bereicherung seines Konfirmandenunterrichts haben könne. Diesem Wunsch entsprach die Stadt ebenso wie der Bitte der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland, das Projekt beim Kirchentag zu präsentieren.

Ganz besondere Dreingabe

16 Puzzleteile, auf denen Konfirmanden der Pforzheimer Stadtkirche die Versöhnungslitanei "Vater Vergib" von Coventry bildlich umgesetzt haben, sind in Hamburg zu bestaunen. Clara Gölz und Anne Landauer, die 2011 als Konfirmandinnen selbst an der ersten Puzzle-Aktion mitgewirkt hatten, werden Roland Ganninger nach Hamburg begleiten. Die kleine Pforzheimer Delegation hat eine ganz besondere Dreingabe im Gepäck. 1000 Mini-Puzzleteile wurden mithilfe von Sponsoren gefertigt. Besucher des Kirchentags können sie in kleine Kunstwerke verwandeln und sie zusammenfügen, mit nach Hause nehmen oder sich an einem Bändchen um den Hals hängen.

Dies soll nicht nur Blickfang sein, sondern auch dafür sorgen, dass die Träger dieser Puzzleteile miteinander ins Gespräch kommen. Nach der Präsentation auf dem Fischmarkt können die kleinen Teile bis zum Ende des Kirchentags beim "Markt der Möglichkeiten" am Messestand der Nagelkreuzgemeinschaft bearbeitet werden.

Ein Mini-Puzzle zum Selbermachen: Dieses Angebot bereichert die Präsentation des Pforzheimer Puzzle-Projekts beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg.            FOTO: SEIBEL

"Ich fahre nicht nur für das Nagelkreuz, sondern auch ein bisschen für Pforzheim da hin", sagt Ganninger. Dass die Stadt erneut für den Gedenktag keine einheitliche Linie gegen Rechts gefunden hatte, hat in diesem Jahr nach Ganningers Einschätzung einen "kläglich-miserablen" Eindruck hinterlassen. Beim Kirchentag nun soll am "positiven Image" der Stadt gearbeitet werden - mit einer Aktion, " an der Gott lob viele, viele Pforzheimer beteiligt sind".

 

Starker Auftritt beim Kirchentag in Hamburg

Pforzheimer Mädchen beeindrucken Publikum mit Präsentation des Puzzle-Projekts

PZ vom 6.5.2013

 

"Mit solchen Jugendlichen haben Sie es natürlich leicht, so ein Projekt durchzuziehen", begeistert sich Moderator Marcus Leitschuh auf der Open-Air-Bühne am Hamburger Fischmarkt und klingt auch ein bisschen neidisch. Gerade haben Clara und Anne für das Nagelkreuzzentrum das Pforzheimer Puzzle-Projekt vorgestellt

Das Publikum schwankt zwischen Sprachlosigkeit und Jubel angesichts der 16 ausgelegten Puzzleteile des diesjährigen Konfirmandenjahrgangs der Evangelischen Stadtkirche Pforzheim. Die beiden Mädchen, vor zwei Jahren konfirmiert und bereits am ersten Pforzheimer Puzzle beteiligt, geben Auskunft darüber, warum sie mit Roland Ganninger, einem "Ältesten" und Leiter des Nagelkreuzzentrums, zum 34. Evangelischen Kirchentag gekommen sind.

Moderator Marcus Leitschuh befragt Anne (rechts) und Clara. Mit auf der Fischmarkt-Bühne: Roland Ganninger (links), Leiter des Nagelkreuzzentrums. FOTO: PETRA

"Ich war schon früher beim Kirchentag", sagt Clara, "und habe am Nagelkreuzstand kleine Hufnagelkreuze gebastelt" Als Ganninger sie dann als Konfirmandinnen gefragt habe, ob sie bei der Puzzleaktion mitmachen wollten, sei das für sie und andere aus dem Konfi-Jahrgang keine Frage gewesen. Es gehe darum, durch die Kenntnis der Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen und sich für eine versöhnende und friedliche Zukunft einzusetzen. "Deshalb haben sich die diesjährigen Konfirmanden die Umsetzung der Versöhnungslitanei 'Vater Vergib' von Coventry vorgenommen", ergänzt Anne und zeigt ein Riesenpuzzleteil mit dem Spruch "Gegen Ausgrenzung - für Demokratie".

Aus Begreifen wird Verändern

Wie Ganinger, Vorsitzender des Ältestenkreises der Stadtkirche, erläutert, ist vor vier Jahren im "Kommunalen Arbeitskreis 23. Februar" die Idee eingebracht worden, den Pforzheimer Gedenktag von der zwar verständlichen, aber zu ausschließlichen Rückschau auf das Grauen der Zerstörung in ein zukunftsorientiertes Gedenken zu wandeln. Dies biete vor allem für die nachwachsende Generation Chancen der Identifikation. "Aus Erinnern muss Wissen werden, aus Wissen Begreifen, aus Begreifen Verändern". Daraus sei auf der Basis der Idee eines Mosaiks von René Dantes das Puzzle-Projekt geworden, das jetzt deutschlandweit als Beispiel vorbildlicher Versöhnungsarbeit mit Jugendlichen und Kindern gehandelt wird.

Zuvor hatten die beiden jungen Pforzheimerinnen mit Mini-Puzzleteilen Aufsehen erregt. An zwei Tischen unter sonnigem Himmel direkt am alten Hafen motivierten sie das Publikum, die kleinen Teile thematisch zu gestalten.

Der Clou: Die Teile konnten an einem Regenbogenband um den Hals getragen werden. Hunderte weitere Blanko-Puzzleteile wurden am Stand der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland beim "Markt der Möglichkeiten" bearbeitet.

"Das Nagelkreuz von Coventry als Symbol für Versöhnung, Frieden und Bewahrung der Schöpfung ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie aus etwas Schrecklichem und Bösem etwas Gutes und Zukunftsweisendes werden kann", sagte Ganninger.

 

                        

 

 

 

 

 

 
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